Bürgerversammlung zu neuer Flüchtlingsunterkunft |

Die Pestalozzischule, die im Sommer aus dem Ortsteil Selm nach Bork zieht, wird nach den Sommerferien zu einem Übergangsheim für Flüchtlinge umgebaut. Darüber informierten Bürgermeister Mario Löhr und Beigeordnete Sylvia Engemann am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung. Circa 150 Selmer folgten dem Aufruf und kamen ins Bürgerhaus.

„Die neuen Entwicklungen lassen uns keine Wahl, als die Pestalozzischule zu einem Übergangsheim umzubauen“, schilderte Mario Löhr. In den vergangenen Monaten habe sich die Stadt darum bemüht, eine Landeseinrichtung in Selm bauen zu können. „Dies war uns vom Innenministerium zugesagt worden“, so Löhr. Die Stadt plante daher, auf dem Gelände der ehemaligen Diskothek an der Industriestraße eine Zentrale Unterbringungseinheit (ZUE) für bis zu 1000 Flüchtlinge zu errichten. „Da aber seit einigen Wochen immer weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, baut das Land Kapazitäten ab“, berichtete der Bürgermeister.

Statt eines Standortes für bis zu 1000 Flüchtlinge, plante die Stadt nun ein Containerdorf für 500 Flüchtlinge. Zwar hätte die Stadt auch hier einen Betrag von über zehn Millionen Euro investieren müssen. Das Land hätte aber an die Stadt pro untergebrachtem Flüchtling eine Pauschale gezahlt. „In der vergangenen Woche kamen aus dem Innenministerium Hinweise, dass wir Abstand von der ZUE nehmen sollen“, so Löhr. Anstehende Gesetzesänderungen würden die Errichtung der Zentralen Unterbringungseinheit für die Stadt unwirtschaftlich machen.

„Ende August schließt die Notunterkunft in Bork. Dann kommen wir wieder in die Zuweisung von Flüchtlingen und müssen innerhalb von fünf Monaten 330 Flüchtlinge aufnehmen“, blickte Mario Löhr voraus. Da nicht ausreichend bezahlbarer Wohnraum für so eine große Anzahl von Flüchtlingen kurzfristig zur Verfügung steht, musste eine Alternative her. „Diese sehen wir nur am Standort Pestalozzischule“, erklärte der Bürgermeister. Ihm sei es nicht leicht gefallen, die Planung in diese Richtung anzustreben.

Nach den Sommerferien wird die Schule nun umgebaut. Mario Löhr und Sylvia Engemann stellten dazu die Pläne vor. In die Klassenräume sollen zusätzliche Wände eingebaut werden, um weitere Räume zu schaffen. So könnten bis zu vier Flüchtlinge pro Raum untergebracht werden. Insgesamt wäre Platz für bis zu 220 Flüchtlinge in Schule und der angrenzenden Turnhalle. Weitere 80 Flüchtlinge könnten in zusätzlich aufzustellenden Containern auf dem Schulhof Platz finden. Die Gesamtinvestitionssumme für den Um- und Ausbau der Schule zu einem Übergangsheim bezifferte Sylvia Engemann auf 2 Millionen Euro.

Mario Löhr hatte Verständnis für die Anwohner des Pädagogenweges. Einige von ihnen hatten den Weg zur Bürgerversammlung gefunden und formulierten ihre Sorgen. „Ich bin mit dieser Variante auch nicht glücklich. Anders bekommen wir aber mit Blick auf unseren Haushalt keine Lösung hin“, so Löhr. „Wir werden ihre Ängste aber ernst nehmen. Nur gemeinsam können wir diese Situation schaffen“, sagte Mario Löhr.

Am 11. Mai will der Bürgermeister die Anwohner des Pädagogenweges und der umliegenden Straßen bei einer erneuten Versammlung über die Planungen informieren. „Ich hoffe, Ihnen dann schon etwas mehr sagen zu können.“ In Gesprächen ist die Stadt jetzt bereits mit einem möglichen Betreiber des Übergangsheims Pädagogenweges. Dieser würde auch für einen benötigten Sicherheitsdienst und die Verpflegung der Flüchtlinge sorgen.

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